Mullenwegs Abgang: Was das für WordPress und die Open-Source-Gemeinschaft bedeutet

Mullenwegs Abgang: Was das für WordPress und die Open-Source-Gemeinschaft bedeutet

Sep 11, 2026 wordpress automattic matt mullenweg open source tech leadership startup governance web hosting content management systems

Automattic im Krisenmodus: Matt Mullenweg tritt zurück – oder wurde er gezwungen?

Was nach einem klassischen CEO-Drama klingt, hat tatsächlich weitreichende Folgen für das gesamte Internet.

Die Nachricht, die niemand erwartet hat

Die Meldung kam überraschend: Automattics Board of Directors hat CEO Matt Mullenweg zu einer Auszeit gezwungen. In einer internen Slack-Nachricht soll Mullenweg selbst durchscheinen lassen haben, dass er diese Entscheidung alles andere als freiwillig getroffen hat. Ein ungewöhnlicher Schritt – und ein noch ungewöhnlicherer Umgang damit.

Damit steht eines der wichtigsten Unternehmen der digitalen Welt vor einer ungewissen Zukunft. Immerhin verantwortet Automattic rund 43 Prozent aller Websites weltweit.

WordPress: Mehr als nur ein CMS

Bevor wir tiefer einsteigen, lohnt sich ein Blick zurück. Matt Mullenweg hat WordPress 2003 quasi aus dem Nichts erschaffen. Was als leichtgewichtiges Blogging-Tool startete, wurde zur Infrastruktur für Millionen von Websites. Krankenhäuser, Nachrichtenportale, kleine Shops, große Konzerne – alle nutzen WordPress auf die eine oder andere Weise.

2005 gründete Mullenweg dann Automattic. Die Idee dahinter: ein Geschäftsmodell aufbauen, das die Open-Source-Entwicklung finanziert, ohne die Freiheit des Projekts selbst einzuschränken. Die WordPress Foundation behält das Markenrecht, Mullenweg steuert über Automattic die Richtung. Ein balanceakt, der jahrelang funktioniert hat.

Was hier wirklich auf dem Spiel steht

Geht es hier nur um Vorstandsintrigen und Machtkämpfe hinter verschlossenen Türen? Teilweise sicher. Aber der Fall reicht weiter.

Open Source lebt von Vertrauen. Die Community gibt ihre Zeit und Energie, weil sie an ein Projekt glaubt. Wenn plötzlich der Gründer – die Person, die das Gesicht und den Antrieb des Projekts verkörpert – gegen seinen Willen ausgebootet wird, stellt sich eine grundsätzliche Frage: Wer kontrolliert eigentlich Open Source?

Automattic hat über die Jahre ordentlich Venture Capital eingesammelt. Und irgendwann wollen Investoren要么 Rückflüsse – oder Einfluss. Genau dieser Moment scheint jetzt gekommen zu sein.

Lehren für die Tech-Branche

Für alle, die Unternehmen rund um Open-Source-Software aufbauen, ist das hier ein Weckruf. Die Lizenz mag offen sein. Die Governance ist es nicht immer. Wenn Investoren das Sagen haben, kann sich die Situation schnell ändern – auch für Projekte, die man als neutral und unabhängig wahrnimmt.

Das Verhältnis zu einem Upstream-Projekt sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Die Bedingungen ändern sich, die Menschen hinter den Projekten auch.

Wie geht es weiter?

Klar ist: Das WordPress-Ökosystem steckt in unruhigem Fahrwasser. Jahrelange Diskussionen um Gutenberg, den Block-Editor und die Zukunft der Plattform haben die Community bereits gespalten. Jetzt kommt dieser Führungsstreit oben drauf.

Ob Mullenweg zurückkehrt, ob es zu einer einvernehmlichen Lösung kommt oder ob dies das endgültige Aus für seine Rolle bei Automattic ist – niemand kann das zum jetzigen Zeitpunkt sagen.

Was wir bei DomainOcean hoffen: Unabhängig davon, wie diese Geschichte ausgeht, sollten die Grundwerte von WordPress nicht auf der Strecke bleiben. Open Source war schon immer mehr als nur Code. Es war Gemeinschaft, Vertrauen und geteilte Verantwortung.

Das Internet baut auf Vertrauen. Und genau das steht gerade auf dem Spiel.

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