Der Automattic-CEO-Zoff: Was Startup-Gründer daraus lernen können
Was uns der Automattic-CEO-Drama über Startup-Führung lehrt
Ganz ehrlich: Wenn sich CEOs in der Tech-Branche streiten, können wir einfach nicht wegschauen. Die Automattic-Geschichte mit Matt Mullenweg – erst gefeuert, dann wieder im Amt – hat alles, was ein gutes Drama braucht: Intrigen im Boardroom, durchgesickerte Slack-Nachrichten und einen Gründer, der angeblich seinen „fünften Putschversuch" überlebt hat.
Doch unter der Oberfläche steckt eine Geschichte mit echten Lehren für alle, die ein Tech-Unternehmen aufbauen oder führen.
Die Kurzfassung
Falls ihr es verpasst habt: Mullenweg, der Erfinder von WordPress und CEO von Automattic (die Mutter hinter WordPress.com, Tumblr und Beeper), wurde vom Board auf unbezahlten Urlaub geschickt. Zwei Tage später war er zurück am Steuer – nach dem, was er eine „Missverständnis" nannte. CFO Mark Davies, der kurzzeitig als Interims-CEO einsprang, hat jetzt keinen Slack-Zugang mehr, und Mullenweg scheint die Firmensysteme wieder komplett unter Kontrolle zu haben.
Was das für Gründer bedeutet
1. Board-Dynamiken sind wichtiger, als du denkst
Viele Gründer konzentrieren sich auf Fundraising und Produktentwicklung und behandeln Board-Governance als lästige Pflichtübung. Die Automattic-Situation zeigt, wie schnell sich Board-Beziehungen destabilisieren können. Ob du einen Investor-Sitz hast oder fünf – die Dynamiken im Board zu verstehen, ist keine Kür, sondern Pflicht.
2. „Ich habe dagegen gestimmt" macht dich nicht unschuldig
Mullenweg behauptete, er habe gegen seine eigene Absetzung gestimmt. Aber als die bestimmende Figur bei Automattic spiegelt die Unternehmensführung nun mal seine Entscheidungen wider. Das zeigt: Gründer-freundliche Governance-Strukturen schützen dich kurzfristig, können aber fragile Situationen schaffen, wenn Beziehungen zerbrechen.
3. Kommunikationsinfrastruktur ist Macht
Mullenweg hat „alle Admins" aus dem Automattic-Slack geworfen und Davies' Account deaktiviert. Das zeigt, wie abhängig moderne Unternehmen von digitalen Kommunikationssystemen sind. Wenn der Zugang zu diesen Systemen zum Machtspiel wird, stellen sich unangenehme Fragen: Wer kontrolliert eigentlich die Firmeninfrastruktur?
Das Open-Source-Paradox
Hier kommt die Ironie, die niemand übersehen sollte: WordPress betreibt über 40% des Webs. Die Software basiert auf Open-Source-Prinzipien – Gemeinschaft, Zusammenarbeit, Transparenz. Und trotzdem funktioniert Automattic wie ein klassisches Unternehmen: Private Boards, Aktionärsinteressen, Machtkämpfe im Hintergrund.
Diese Spannung ist nicht nur ein Automattic-Problem. Viele Open-Source-Firmen kämpfen damit, nachhaltige Geschäftsmodelle aufzubauen und gleichzeitig die kollaborative Kultur zu bewahren, die ihre Software erfolgreich gemacht hat.
Was jetzt passiert
Mit Mullenweg zurück am Steuer ist die unmittelbare Krise erstmal vorbei. Aber die grundsätzlichen Fragen bleiben: Wie soll die Governance bei Automattic aussehen? Wie ist das Verhältnis zwischen Board und Führung? Wohin soll die Reise gehen?
Für das WordPress-Ökosystem – Millionen Entwickler, Agenturen und Unternehmen, die auf diese Plattform setzen – ist das kein Klatsch und Tratsch. Das könnte für alle relevant sein, die auf WordPress.com aufbauen oder zu WordPress.org beitragen.
Die wichtigsten Lehren
- Beziehungen zu deinem Board aufbauen, bevor du sie brauchst. Vertrauen wächst über Zeit, nicht in Krisensituationen.
- Verstehe deine Governance-Dokumente. Was nach Standardklauseln aussieht, kann entscheidend werden, wenn Probleme auftauchen.
- Dokumentiere alles. In einem Streit werden Slack-Nachrichten und E-Mails zum Beweismaterial.
Am Ende des Tages war Mullenwegs Reaktion auf seine vorübergehende Absetzung fast zen-artig: „Wenn du nicht alle paar Jahre einen Putschversuch erlebst, stellst du nicht starke genug Führungspersönlichkeiten ein."
Ob das Weisheit oder Selbstrechtfertigung ist, bleibt abzuwarten. Aber eines ist klar: In der Tech-Branche ist die Grenze zwischen Führung und Macht oft dünner, als wir zugeben möchten.
Was denkst du über die Automattic-Situation? Ist Gründerkontrolle wichtiger als gute Governance? Schreib's in die Kommentare.