CyberFolks: So wurde aus einem Domain-Shop ein Milliarden-E-Commerce-Gigant
CyberFolks baut sich ein E-Commerce-Imperium auf
CyberFolks hat in nur anderthalb Jahren eine bemerkenswerte Transformation hingelegt. Aus einem einzelnen Anbieter ist ein ganzes Ökosystem entstanden, das sowohl gehostete Shops als auch Open-Source-Lösungen und Payment-Dienste abdeckt. Für Entwickler, die auf einer dieser Plattformen aufbauen, ist das eine wichtige Entwicklung.
Die Zahlen hinter der Fusion
Am 21. Mai 2026 wurde die vollständige Fusion von CyberFolks und Shoper bekanntgegeben. Das neue Unternehmen ist rund eine Milliarde Euro wert. CyberFolks hat dafür 3.215.165 neue Series-F-Aktien ausgegeben. Shoper-Aktionäre erhielten je Aktie 0,2281 CyberFolks-Aktien. Shoper wurde anschließend von der Warschauer Börse genommen.
Das Ganze kam nicht aus heiterem Himmel. Schon Ende 2024 hatte CyberFolks 49,9 Prozent an Shoper für rund 547,5 Millionen PLN erworben. Der Rest folgte nun mit der vollständigen Übernahme.
Warum Shoper so interessant ist
Shoper ist Marktführer für kleine und mittlere Unternehmen in Polen. 2025 lag das GMV bei über 21 Milliarden PLN, mit einem Wachstum von 45 Prozent. Das Angebot umfasst gehostete Shops, Zahlungsabwicklung, Logistik und Marketing-Tools – genau das Segment, in dem CyberFolks bereits stark ist.
Drei Züge in 18 Monaten
Was diese Strategie besonders macht, ist die Abfolge dreier großer Schritte:
Schritt 1: Ende 2024 kauft CyberFolks 49,9 Prozent von Shoper. Das war bereits ein klares Signal für langfristiges Interesse.
Schritt 2: Dezember 2025 übernimmt CyberFolks PrestaShop für 53,765 Millionen Euro. Über das Joint Venture Cyber_Pixel behalten Sylius-Investoren 21 Prozent. PrestaShop hat 230.000 aktive Shops und ein GMV von 22 Milliarden Euro – die führende Open-Source-Lösung in Kontinentaleuropa.
Schritt 3: Mai 2026 folgt die vollständige Integration von Shoper.
Was das für Entwickler bedeutet
CyberFolks deckt jetzt beide Seiten des Marktes ab. Shoper richtet sich an Händler, die eine fertige, verwaltete Lösung wollen. PrestaShop spricht dagegen Entwickler und technisch versierte Nutzer an, die mehr Kontrolle brauchen. Zusammen entsteht eine breite Abdeckung.
Durch die Kombination von Shopers Payment- und Logistik-Infrastruktur mit der flexiblen Architektur von PrestaShop ergeben sich neue Möglichkeiten für APIs, Webhooks und individuelle Integrationen.
Regionale Stärke als Gegenentwurf
Mit starken Positionen in Polen und Kontinentaleuropa positioniert sich CyberFolks als europäische Alternative zu Shopify und WooCommerce. Das ist nicht nur eine Frage der Marktanteile, sondern auch der Infrastruktur. Die SaaS-Backends von Shoper und der bewährte Code von PrestaShop bilden zusammen eine solide technische Basis.
Ausblick
Die Börsenbewertung von einer Milliarde Euro zeigt das Vertrauen der Märkte. Jetzt geht es darum, ob CyberFolks die Integration sauber umsetzen kann, ohne bestehende Nutzer zu verlieren. Erwartet werden weitere API-Verknüpfungen, erweiterte Payment- und Logistik-Angebote sowie mögliche Expansion über Polen und Europa hinaus.
Für Entwickler und Shop-Betreiber ist das ein Signal: Hier entsteht ein ernstzunehmender europäischer Player mit strategischer Weitsicht.