Bunt, blinkend, unvergessen: Eine Hommage an das schlechte Webdesign von früher
Damals war alles besser – zumindest in unserer Erinnerung
Wer schon länger als zehn Jahre in der Webentwicklung unterwegs ist, erinnert sich vielleicht noch an eine einfachere Zeit. Damals bedeutete „Webdesign" den Photoshop aufzumachen, ein Meisterwerk zu zaubern, das den ganzen 21-Zoll-Monitor füllte, und das Ganze dann als megagroße JPEG-Datei zu exportieren. Die Ladezeit? Vier Minuten auf einem 56k-Modem. Ach, die guten alten Zeiten.
Ein satirischer Leitfaden aus den späten Neunzigern mit dem Titel „How to be a web designer" macht gerade wieder die Runde im Netz. Es ist eine wunderbare Zeitkapsel voller fragwürdiger Design-Philosophien. Aber hinter dem Humor versteckt sich eine Lektion, die heute noch genauso relevant ist.
Die goldene (und ironische) Ära des Web-Designs
Der Leitfaden empfiehlt frühe Photoshop-Versionen, die „nicht besonders gut mit .gifs und .jpgs umgehen konnten", und rät zum Kauf von ClipArt-CDs. Man solle sich nicht mit Durchschnitts-Bildschirmgrößen (800x600 war der Standard), Bandbreiten-Limitierungen oder 256-Farben-Displays aufhalten – das seien „ignorante Technikfreaks-Probleme aus den 1970ern".
Die Ironie dabei? Viele dieser Grundprinzipien, die damalige Designer ignorierten – responsives Design, Performance-Optimierung, Barrierefreiheit – sind heute die Säulen moderner Webentwicklung.
Wo alles schieflief (und dann wieder gerade)
Der unterhaltsamste Abschnitt des Guides beschäftigt sich mit der Inhaltserstellung. Er empfiehlt, Photoshops Textwerkzeug für echte Website-Inhalte zu nutzen, und rät, das Schreiben lieber jemand anderem zu überlassen, denn „diese Aufgabe liegt unter deinem Niveau und deinen fortgeschrittenen Webdesign-Fähigkeiten".
Das Beispiel-Material klingt wie Firmenjargon aus einem parallelen Universum: „MidgetWrite für Microsoft Windows 7.0 ist ein aufregendes und innovatives Produkt, das es Unternehmen ermöglicht, ihre Kernqualitätsinitiativen zu nutzen und gleichzeitig einen proaktiven, zukunftsorientierten Managementprozess aufrechtzuerhalten."
Kommt das bekannt vor? Wer jemals eine Tech-Landingpage gelesen hat, kennt diesen bestimmten Marken-Sprech. Der ist nie wirklich verschwunden.
Was wir wirklich gelernt haben
Modernes Webdesign hat Prinzipien übernommen, die die „Photoshop-als-Website"-Ära ignoriert hat:
Performance zuerst: Heute sind Core Web Vitals Ranking-Faktoren. Wir machen uns verrückt wegen Ladezeiten, Bildoptimierung und effizientem Code. Ein 2MB großes Hero-Bild würde jeden modernen Entwickler zusammenzucken lassen.
Inhalt ist King (aber Struktur auch): Wir haben verstanden, dass HTML eine Auszeichnungssprache ist, kein Design-Werkzeug. Semantisches HTML, CSS Grid und Flexbox geben uns Layouts, die tatsächlich auf allen Geräten funktionieren.
Barrierefreiheit ist kein Luxus: Die 256-Farben-Einschränkungen wirken heute lächerlich, aber das Prinzip bleibt: Design für alle. WCAG-Richtlinien haben „nimm einfach irgendeine Schrift, die kein anderer nutzt" abgelöst.
Iteration schlägt Perfektion: Der alte Leitfaden schlug vor, das Design vorher auf Papier zu skizzieren. Wir haben das weiterentwickelt: Wireframes, Prototypen, iteratives Testen. Agile Entwicklung hat den „bau es perfekt und bete" Ansatz ersetzt.
Die Erkenntnis
Das Schöne an diesem 1999er-Leitfaden ist nicht nur sein Humor – es ist die Erinnerung daran, dass Webdesign schon immer darum ging, echte Probleme für echte Nutzer zu lösen. Die Werkzeuge ändern sich, die Prinzipien entwickeln sich weiter, aber die Grundlagen bleiben: Mach es schnell, mach es benutzbar, mach es für alle zugänglich.
Bei NameOcean sehen wir jeden Tag Tausende Websites, die live gehen. Die besten davon sind nicht die auffälligsten – sie sind die schnellsten, barrierefreisten und nützlichsten. Egal ob du unser AI-gestütztes Vibe Hosting nutzt oder mit traditionellen Tools arbeitest: Denk daran, dass deine Nutzer ein 2024er Internet mit 2024er Erwartungen erwarten.
Die blinkenden GIFs und das Alpha-Blend-Everything? Das gehört in die Retromuseen.
Welche frühen Webdesign-Erinnerungen lassen dich heute noch schaudern? Teile deine schlimmsten (oder besten?) 90er-Web-Erlebnisse in den Kommentaren.