Retro-Gaming mal anders: Wie KI ein Browser-Nullmodem für Online-Quake I baute
90er-Nostalgie: Wie KI ein virtuelles Null-Modem für Online-Quake I gebaut hat
Kennst du noch die Zeiten, als zwei Computer miteinander zu verbinden bedeutete, Kabel umständlich zusammenzustecken? Die meisten von euch nicht – aber Pieter Branderhorst schon. Und jetzt hat er mit KI eine 30 Jahre alte Lücke in der Gaming-Geschichte überbrückt.
Das Null-Modem: Technik von gestern
Für alle, die das Zeitalter der Modems und seriellen Kabel nicht mehr kennen: Ein Null-Modem war im Grunde ein direktes Kabel zwischen zwei Computern. Wer multiplayer zocken wollte und sich keine Netzwerkkarte leisten konnte, hat einfach seinen PC mit dem seines Kumpels verbunden. Das war das ursprüngliche LAN-Gaming – nur ohne Chips und Getränke.
Das Problem: Quake I Multiplayer unter DOS war nicht fürs Internet gemacht
Quake I, der legendäre Shooter von id Software aus dem Jahr 1996, war in vielerlei Hinsicht seiner Zeit voraus. Aber die Multiplayer-Architektur? Die war für direkte Verbindungen gedacht. Das Ding über das heutige Internet zum Laufen zu bringen, erforderte kreative Lösungen – und daran sind Entwickler jahrelang gescheitert.
Bis jetzt.
KI-gestützte Entwicklung war der Schlüssel
Branderhorst hat zwei Jahre lang versucht, Quake I unter DOS im Multiplayer-Modus ans Laufen zu bringen. Traditionelle Ansätze hätten bedeutet, sich tief in die COM-Port-Programmierung, DOSBox-Interna und WebSocket-Kommunikation einzuarbeiten – Skills, die man nicht mal eben an einem Nachmittag lernt.
Diese Woche, mit KI-Unterstützung, hat es etwa eine Stunde gedauert.
Die Lösung war ein webbasiertes virtuelles Null-Modem. Es fängt die COM1-Kommunikation von Quake I ab, das in DOSBox läuft, leitet die Daten per WebSockets an eine andere Browser-Instanz weiter und baut die Verbindung auf der anderen Seite wieder auf. Plötzlich können zwei Spieler auf entgegengesetzten Seiten des Planeten ihre DOS-Rechner verbinden – dank moderner Web-Technologie.
Warum das für Entwickler wichtig ist
Das hier ist nicht nur nostalgisches Gaming-Gefasel (auch wenn das ziemlich cool ist). Das Projekt zeigt etwas Entscheidendes:
KI kann Monate des Lernens auf Stunden der Umsetzung komprimieren.
Zu verstehen, wie Null-Modem-Verbindungen funktionieren, wie DOSBox serielle Ports handhabt und wie man das mit WebSockets überbrückt – Branderhorst schätzt, dass das normalerweise Monate an Recherche gekostet hätte. Stattdessen hat KI ihm geholfen, die Puzzleteile in Rekordzeit zusammenzufügen.
Für Entwickler und Startups ist das die eigentliche Message. Die Frage ist nicht, ob KI dir helfen kann, schneller zu bauen – sondern ob du diese Tools nutzt, um Probleme anzugehen, die vorher unlösbar schienen.
Der technische Stack
Wie sieht das Ganze aus? Hier die Zutaten:
- DOSBox zum Ausführen von Quake I in seiner nativen DOS-Umgebung
- JavaScript COM-Port-Abfangung zum Erfassen der seriellen Kommunikation
- WebSockets für bidirektionalen Datenaustausch in Echtzeit
- Eine einfache HTML-Oberfläche zum Verbinden zweier Browser-Instanzen
Eleganz in Einfachheit. Kein komplexes Backend, keine Cloud-Infrastruktur zum Verwalten – nur kreatives Problemlösen, unterstützt durch KI.
Was das für Vibe Coding bedeutet
Bei NameOcean reden wir oft über Vibe Coding – dieses neue Paradigma, bei dem KI Entwicklern hilft, ihre Absichten direkt umzusetzen. Die Implementierungsdetails, für die man früher jahrelange Erfahrung brauchte, erledigt die KI quasi im Hintergrund.
Dieses Quake-I-Projekt ist Vibe Coding in Reinform. Der Entwickler hatte eine Vision (Multiplayer-Quake I online spielen), kannte das Problemfeld (Null-Modem und serielle Kommunikation) und hat KI genutzt, um die Lücke zwischen Konzept und Umsetzung zu schließen.
Das Ergebnis? Ein funktionierender Prototyp in einer Stunde, der otherwise für immer auf dem „irgendwann mal"-Stapel gelegen hätte.
Loslegen
Willst du es selbst ausprobieren? So geht's:
- Beende DOSBox und wechsle ins DOS (ALT-F4 oder FN-Option-F4 auf Mac)
- Navigiere zu deinem Quake-Verzeichnis
- Starte Quake und drücke ESC
- Wähle Multiplayer → Direct Connect
- Achte darauf, dass beide Spieler die gleichen Einstellungen haben
Das virtuelle Null-Modem übernimmt den Rest. Es schafft eine Brücke über das Internet, die eure beiden DOS-Rechner davon überzeugt, dass ein physisches Kabel sie verbindet.
Das große Ganze
Projekte wie dieses erinnern uns daran, warum wir diese Branche lieben. Die Web-Plattform entwickelt sich auf unerwartete Weise weiter, und KI senkt die Hürde für kreatives Experimentieren drastisch.
Ob du nostalgische Gaming-Erlebnisse baust, moderne Web-Anwendungen oder irgendwas dazwischen – die Tools von heute machen es einfacher denn je, aus Ideen funktionierende Prototypen zu machen. Die einzige echte Einschränkung ist die Vorstellungskraft.
Welche alte Technologie wirst du mit dem modernen Web verbinden?
- Hast du etwas Kreatives mit KI-Unterstützung gebaut? Teile deine Erfahrungen – wir würden gern hören, wie Entwickler diese neuen Tools nutzen, um ihre Ideen zum Leben zu erwecken.*