Das Web3-Domain-Modell wackelt: Warum Namecheap bei Handshake aussteigt

Das Web3-Domain-Modell wackelt: Warum Namecheap bei Handshake aussteigt

Jul 06, 2026 web3 domains handshake namecheap dns blockchain decentralized web domain registrar cryptocurrency web3 infrastructure

Namecheap steigt aus Handshake aus: Das Ende des Web3-Domain-Traums?

Eigentlich sollte alles anders werden. Dezentral, blockchain-basiert, ohne mächtige Zwischenhändler wie ICANN. Die Vision klang revolutionär: Eigene Domains auf der Blockchain, vollständig in Nutzerhand, fälschungssicher und unkündbar. Doch jetzt tritt mit Namecheap einer der größten Domain-Registrare zurück. Was ist passiert – und was bedeutet das für die Zukunft der Web3-Domains?

Handshake: Die Idee klang überzeugend

Los ging alles 2019. Handshake wollte die Wurzelzone des Internets dezentralisieren. Stattdessen Top-Level-Domains über die altbekannte Struktur zu vergeben, sollte eine Blockchain-Technologie das übernehmen. Peer-to-Peer, vertrauenslos, demokratisch. Die Idee fand schnell Anhänger in der Krypto-Szene. HNS-Token schossen in die Höhe. Prominente Registraren listeten Handshake-Domains. Man feierte den Beginn einer neuen Internet-Ära.

Diese Ära ist nie angekommen.

Ein Wertverlust von 99 Prozent

Die nackten Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Der HNS-Token hat seit dem Höchststand 2021 rund 99 Prozent an Wert verloren. Das ist keine gewöhnliche Korrektur – das ist ein totales Markturteil. Wenn ein Token 99 Prozent seines Wertes verliert, dann hat die zugrunde liegende Idee die Anleger nicht überzeugt. DasNutzerwachstum blieb aus. Die breite Masse der Internetnutzer hat nie einen Grund gesehen, von ihrer vertrauten .com-Domain auf HNS umzusteigen.

Unstoppable Domains macht einen Rückzieher

Vielleicht am aussagekräftigsten ist die Strategieänderung von Unstoppable Domains. Das Unternehmen war lange Zeit der lautstarke Fürsprecher blockchain-basierter Domainnamen. Heute bietet es ganz reguläre .com- und .net-Domains an. Der Grund ist simpel: Die Nutzer wollen Domains, die überall funktionieren – in jedem Browser, auf jedem Gerät, ohne Sonderkonfiguration.

Damit hat Unstoppable Domains implizit zugegeben, dass das reine Web3-Domain-Modell gescheitert ist. Statt die alte Infrastruktur zu ersetzen, wurde sie zur Ergänzung degradiert.

Warum hat es nicht geklappt?

Die Gründe für das Scheitern lassen sich klar benennen:

Komplizierte Nutzung: Normale Domains funktionieren sofort und überall. Handshake-Domains brauchen spezielle Resolver, angepasste Browser oder zusätzliche Einstellungen. Für Normalnutzer ist das ein KO-Kriterium. Entwickler mögen komplexe Systeme tolerieren – die breite Masse nicht.

Zersplittertes Ökosystem: Das traditionelle DNS funktioniert, weil es einen klaren Wegweiser gibt. Bei Web3-Domains gab es dagegen gleich mehrere konkurrierende Standards. ENS, Unstoppable Domains, Handshake – alle mit eigenen Vor- und Nachteilen. Das verwirrte Entwickler und Nutzer gleichermaßen.

Kein echter Mehrwert: Was kann man mit einer Handshake-Domain machen, was mit einer .com nicht möglich wäre? Ehrlich gesagt: Nicht viel. Die theoretischen Vorteile wie Zensurresistenz und permanente Verfügbarkeit haben sich im Alltag nicht bemerkbar gemacht.

Rechtliche Grauzonen: Traditionelle Registraren müssen Gesetze einhalten, Markenrechte prüfen und WHOIS-Daten pflegen. Blockchain-Domains umgingen das – was für manche Nutzer attraktiv klingt, aber für Registraren ein massives Risiko darstellt.

Was bedeutet das für Domain-Investoren?

Wer in Handshake-Domains investiert hat, wird von dieser Nachricht nicht überrascht sein. Die Zeichen verdichteten sich seit Monaten. Trotzdem: Domain-Investments tragen immer Risiken, und Web3-Domains standen dabei immer am spekulativsten Ende des Spektrums.

Die wichtigste Lektion? Neue Technologie allein schafft keinen Wert – Adoption schon. Wer sich für aufkommende Domain-Technologien interessiert, sollte beobachten, wohin die großen Registraren ihre Ressourcen lenken. Wenn Unternehmen wie Namecheap abspringen, ist das ein deutliches Signal.

Der Weg nach vorn: Was bleibt, was kommt

Namecheaps Ausstieg bedeutet nicht das Ende aller blockchain-basierten Identitätslösungen. Aber er markiert das Ende eines bestimmten Ansatzes. Die Probleme, die Handshake lösen wollte – Zentralisierung, Abhängigkeit von Zwischenhändlern, potenzielle Zensur – existieren weiterhin.

Die nächsten Projekte werden aus diesen Fehlern lernen. Erwartet Lösungen, die Benutzerfreundlichkeit in den Mittelpunkt stellen, Kompatibilität mit bestehenden Systemen bieten und konkrete Anwendungsfälle bedienen. Nicht die Technologie sichtbar machen, sondern verschwinden lassen – das wird der Erfolgsweg sein.

Mein Fazit

Die Web3-Domain-Bewegung hat eine wichtige Lektion gelernt: Komplexität ist kein Verkaufspunkt. Die Versprechen klangen großartig – dezentrale Kontrolle, Freiheit von Zwischenhändlern, unveränderliches Eigentum. Geliefert wurde aber vor allem eins: Reibung.

Das Internet funktioniert mit DNS, und es gibt gute Gründe dafür. Die Unternehmen, die die Zukunft der Domain-Technologie prägen werden, sind nicht necessarily diejenigen, die das Bestehende komplett ersetzen wollen. Es sind diejenigen, die es Schritt für Schritt verbessern – ohne den Nutzer mit Kryptografie zu überfordern.

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